Im Schamanismus fühlte ich mich schon zuhause, bevor ich Fe San traf. Es fing alles ganz harmlos an mit Büchern einer weissen Amerikanerin, die ihre Wurzeln in der heiligen Schwesternschaft der Schilde fand und von einer alten Indianerin initiiert wurde. Als ich vor gut 15 Jahre diese Bücher verschlang, kam mir alles wie ein Märchen vor, dass anderen passiert – aber etwas in mir war tief berührt.
Es sollte noch zehn Jahre dauern, bis ich mich dann herantraute und erste persönliche Heilungserfahrungen bei einer Schweizerin machen durfte, die im Core Schamanismus ausgebildet war. (Der Core Schamanismus war ein erster neuzeitlicher Ansatz, tradititonelle schamanistische Lehren auf ihren Kern, oder ihr Herz (Core) zurückzuführen.)
Meine Erfahrungen mit einer Seelenrückholung hatten so eine starke Wirkung auf mein persönliches Wachstum, dass ich es mit nichts vergleichen konnte, was ich vorher erlebt hatte – und ich hatte schon einige Wege kennengelernt, die mich ein Stück auf meinem Lebensweg weitergeführt hatten. Die Effektivität und Auswirkung auf meinen Alltag waren so deutlich, dass ich mich bald darauf für erste schamanische Trommelreisen anmeldete. Nach den ersten zwei Reisen bemerkte die Leiterin, dass das, was ich da machte, ja wohl nicht für Anfänger war und ich sollte schleunigst eine gescheite Lehrerin finden für mich, um weiterzukommen. Auch ich selbst war von der Klarheit und Tiefe meiner inneren Reisen beeindruckt und wusste, dass ich endlich einen Zugang zu mir Selbst gefunden hatte.
Bald fand ich meine nächste Lehrerin und reiste mit ihr nach Kroatien auf Visisonssuche – auf der ich Bestätigung fand, für das, was immer stärker in mir erwachte. Ich bekam das ok „von oben“, dass ich auf dem richtigen Weg war, meinen Weg als Heilerin und Schamanin zu gehen.
Eine Reise nach Mexico folgte, und auch hier wieder tiefe Erfahrungen – zum Davonrennnen, wenn der Strand, das Meer und die Geborgenheit, die das Land für mich ausstrahlte, nicht gewesen wären. Schon damals hatte ich die Info aus einer inneren Reise, meine Feuer wieder zu entzünden, konnte aber noch nichts damit anfangen. Noch heute denke ich an den letzten Tag am Strand, wo ich dran war mit Feuer machen…wir waren immer zu zweit eingeteilt, ein Mann und eine Frau. Was mir passierte, war nicht vorherzusehen – alles Holz war staubtrocken und ich konnte keinen Grund erkennen, warum das Feuer nicht anging, als es soweit war. Es war auch nicht das erste Feuer in meinem Leben. Aber dieses rituelle Feuer wollte nicht brennen.
Der Mann an meiner Seite war auch zu nichts nütze, und mitten im Geschehen rannte er auch noch weg, weil er sich der Schmach nicht stellen wollte, dass das Feuer nicht anging. Ich rannte ihm erst noch hinterher, und versuchte ihn mit viel Geduld zu überreden, gab dann aber auf und glaubte, nun sei alles verloren, da unsere Lehrerin soviel Wert auf das Gleichgewicht zwischen Männlich und Weiblich legte.
Doch ich wollte nicht aufgeben. Das Feuer musste brennen. Und so rieb ich mir die Finger wund am Feuerzeug, bekam Blasen und was weiss ich noch alles und die ganze Gruppe stand um mich herum und trommelte und sang und gab mir Unterstützung.
Bis ich irgendwann eine Stimme hörte : „Du brauchst keinen Mann, um dein Feuer zu entzünden.“
Ich weiss nicht mehr wie, aber irgendwann brannte das Feuer….und wir begannen endlich zu tanzen.
Wieder in der Schweiz kam eins zum andern, und bald war ich beim ersten Fe San Shakti, wo mir nur die Tränen liefen. Ich wusste, etwas sehr Tiefes war in mir berührt, was noch keiner in meiner Seele vorher berührt hatte .
Nun kam erst der Weg ins Licht, dort die innere Begegnung mit Babaji, dann die Beraterausbildung, Schülerschaft bei Agni – und endlich lag eines Tages da der erste Zettel von Fe Sans „Erbe der Feuerschamanen“. Und ich durfte mitmachen. Ein Traum ging für mich in Erfüllung.
Der Unterschied zu den Erfahrungen, die ich mit andern Lehrern machte, liegt eindeutig in der Kraft. Die Wege, die ich vorher ging waren passend für meinen damaligen Entwicklungsstand, zeigten mir aber auch, wohin der Weg führt.
Aber erst in der Feuerschamanenausbildung konnte ich mir Selbst wirklich tief begegnen und vor allem meine schamanische Geschichte besser verstehen.
Da ich eine der Urmütter bin, die Feuer und Glückseligkeit auf die Erde brachten, nährten und hüteten, lagen meine Wurzeln allerdings sehr tief vergraben und waren lange vergessen.
Nun, nach einem halben Jahr auf meinem Kraftplatz durfte ich noch tiefer meine Wurzeln durchdringen und darf die Sternenweisheit der heiligen Stämme der Erde wieder neu als Inititationsweg auf die Erde bringen. Und meine Feuer entzünden.
Und das ist das schönste Geschenk. Sich selbst immer tiefer erfahren zu dürfen, wieder Feuer zu werden und im Sein leben – und diese Geschenke, die aus der Liebe kommen, anderen weiterzugeben, sodass sie ihre eigene Kraft erfahren und leben dürfen, dafür lohnt sich die harte Pionierarbeit, die aber im innersten tiefste Liebe ist. Ich wünsche vielen Feuerschamanen, dass sie ihren Weg wieder finden, damit wir wieder gemeinsam das Fest der Glückseligkeit, der Liebe und Einheit zusammen mit der Erde, dem Feuer für und mit allen Wesen feiern dürfen.
Om Nama Shivaya
Ambika
Ps: Eine Freude hat mir vor kurzem bereitet, einem traditionellen samischen Schamanen (in Norwegen) zu begegnen, dessen Energie mich bei einem Konzert angesprochen hatte und den ich daraufhin ansprach. Ich erzählte ihm, dass ich auch Schamanin sei. Er schaute mir lange in die Augen und sagte dann: „Ich kann sehen, dass du Schamanin bist. Du beschützt die Buben und Männer, vor allem aber die Buben – und du lehrst die Menschen Respekt und Demut vor der Natur und der Erde.“ Ich fühlte mich erkannt und auch berührt, und eine alte Wunde, dass sich Traditionen untereinander vielleicht noch bekämpfen, anstatt die Einheit in der Vielfalt zu sehen, durfte ein bisschen heilen. Nachher kam noch ein Sami hinzu und ich stand da mit diesen Männern und wir lachten zusammen, und der Alte sagte, willkommen in der Gesellschaft der „Verrückten“…und: “The one who denies crazyness, denies himself“ (Wer die Verrückheit leugnet, leugnet sich selbst).
Manchmal muss man sich eben etwas ver-rücken, um sich richtig zu sehen...;-).